Tinnitus - was ist das?

Beim Tinnitus handelt es sich um Geräusche im Ohr, die nur von dem Patienten selbst gehört werden können und auch in ihm selbst verursacht werden. Oft sind sie als Pfeifen, Zischen, Brummen, Rauschen oder Summen zu hören. Doch letztlich nimmt jeder sie auf seine eigene Weise wahr und die Geräusche sind unterschiedlich, je nach dem betroffenen Menschen.

 

Akuter Tinnitus

Wer Ohrgeräusche bei sich wahrnimmt, sollte sich nicht gleich Sorgen machen oder gar in Panik verfallen. Meist klingen sie bald von selbst wieder ab.

 

Bleiben sie aber länger bestehen, sollten sie nach 1 bis 2 Tagen beim HNO-Arzt abgeklärt werden. Ein akuter, erstmalig auftretender Tinnitus sollte innerhalb von 3 Tagen behandelt werden, lautet eine bekannte Empfehlung. Denn je früher die Behandlung beginnt, desto größer sind ihre Chancen.

 

Die Behandlung des Tinnitus hängt jeweils von der Ursache ab, die HNO-ärztlich festgestellt worden ist. Liegt eine bestimmte Erkrankung zugrunde, so muss diese behandelt werden, damit die Ohrgeräusche verschwinden.

 

Ist keine Krankheit feststellbar, die die Ohrgeräusche erzeugt und daher primär zu bearbeiten ist, steht häufig am Anfang der Behandlung eine Infusionstherapie (weitere Informationen).

 

Chronischer Tinnitus

Um einen chronischen Tinnitus handelt es sich, wenn die Ohrgeräusche länger als drei Monate anhalten.

 

Neben den ärztlichen Maßnahmen geht es ergänzend auch darum, mit der psychischen Belastung, die durch den Tinnitus entsteht, besser umgehen zu lernen. Dies ist besonders deshalb wichtig, weil die belastenden Ohrgeräusche durch psychischen Stress verstärkt werden können.

 

Ursachen

Zu der Entstehung des Tinnitus trägt eine Reihe von Faktoren bei, physische und psychische.

 

Am menschlichen Hörvorgang sind verschiedene Regionen beteiligt. Auditive Reize (also Hörreize) gelangen auf ihrem Weg über zahlreiche Verschaltungen zur Hirnrinde. Dort, in der Hirnrinde, werden wichtige Zuordnungs- und Bewertungsprozesse vorgenommen, unter anderem wird zwischen Störschall und Nutzschall unterschieden.

 

Kommt es zu einem andauernden akustischen Signal wie beim Tinnitus, so können emotionale Erregungszustände entstehen (z.B. Ärger, Wut, Kontrollverlustangst), die die Geräuschwahrnehmung verstärken. Es bilden sich ein akustisches Gedächtnis und eine zugeordnete emotionale Anregungszone heraus.

 

Je belastender die mit dem Tinnitus einhergehende Emotion ist und je weniger eine Gewöhnung erfolgt, desto stärker wird die Empfindung des Tinnitus.

 

Psychosomatisch besonders relevant ist also die innere Bewertung des ankommenden Hörreizes. Die Bewertung erfolgt hier auch und gerade im Hinblick auf mögliche Gefahren, auf die die ankommenden Reize hinweisen könnten. Deswegen muss die Bewertung schon in Sekundenbruchteilen und somit vorbewusst geschehen können.

 

Dabei wird im limbischen System eine Verschaltung vorgenommen. Reagiert das System mit angstvoller Aufmerksamkeit oder anderen aversiven emotionalen Tendenzen, so erfolgt die Ausschüttung von Stress-Hormonen.

 

Bleiben die Stressreize erhalten, wie beim andauernden  Tinnitus, kann sich in der Folge auch eine Art chronischer Alarmzustand herausbilden mit ständig erhöhtem Spannungsniveau, was dazu beitragen kann, dass die belastenden Hörreize immer deutlicher, sensibler und angespannter wahrgenommen werden.