Klinische Hypnose – die therapeutische, heilsame Form – hat mit der Showhypnose, wie man sie aus dem Fernsehen oder von Bühnen kennt, nur wenig gemeinsam. Weil viele Menschen diese Bilder im Kopf tragen, möchte ich ein wenig Licht darauf werfen, wie eine Hypnoseshow entsteht – und warum sie sich so anders anfühlt als eine Behandlung in einer ruhigen Praxis.
Zwischen Staunen und Zweifel
Showhypnose bewegt die Menschen. Manche sehen darin Täuschung, eine Art Theaterstück. Andere glauben an eine geheimnisvolle Kraft, die Menschen mit einem Blick willenlos macht.
Beides sind verständliche Vorstellungen. Doch die Wirklichkeit ist leiser, menschlicher, weniger spektakulär – und gerade deshalb interessant.
Wie eine Hypnoseshow entsteht
Auf einer Bühne herrscht eine besondere Atmosphäre: Licht, Musik, gespannte Erwartung, ein Hypnotiseur, der souverän wirkt. Viele Menschen im Publikum sind neugierig, aufgeregt, bereit für ein Erlebnis, das sie schon lange fasziniert.
Und genau diese Menschen sucht der Hypnotiseur. Er beobachtet, wer sich vorlehnt, wer lächelt, wer innerlich ruft: „Ich will!“ Nicht jeder kommt auf die Bühne – nur diejenigen, die offen, erwartungsvoll und bereit sind, sich einzulassen.
Die Auswahl
Zu Beginn erzählt der Hypnotiseur meist etwas über Hypnose. Währenddessen wandert sein Blick durch den Raum:
Und daneben jene, die zurückgelehnt sitzen, abwartend, kritisch. Für eine Show braucht er die ersten, nicht die zweiten.
Dann folgen kleine Tests: Hände verschränken, sich vorstellen, sie nicht mehr öffnen zu können. Wer sofort reagiert, wird eingeladen. Wer zögert, bleibt im Publikum.
Auch auf der Bühne wird weiter ausgewählt. Ein kleines Zögern, ein innerer Widerstand – und der Hypnotiseur bittet freundlich um den Abgang. Am Ende bleiben Menschen, die wirklich wollen.
Warum es so schnell geht
Die schnelle Trance auf der Bühne entsteht nicht durch Magie, sondern durch eine besondere Mischung:
1. Innere Bereitschaft
Die Menschen wollen mitmachen. Sie sind neugierig, offen, voller Erwartung.
2. Die Atmosphäre
Ein dunkler Saal. Ein heller Scheinwerfer. Musik, die trägt. Ein Publikum, das lacht, klatscht, wartet.
3. Die soziale Dynamik
In solchen Momenten wird es schwer, „Nein“ zu sagen. Mitmachen fühlt sich leichter an als Widerstand.
Walter Bongartz beschreibt es so: Manchmal lacht man auf einer Party über einen Witz, der gar nicht so witzig ist – einfach, weil man dazugehören möchte. Auf der Bühne ist dieser Effekt verstärkt.
Keine Zauberei, sondern Kooperation
Showhypnose ist kein Betrug und keine magische Macht. Sie funktioniert, weil bestimmte Bedingungen zusammenkommen:
Wenn diese Bedingungen fehlen, funktioniert die Showhypnose nicht.
Wäre Hypnose eine Art Zauberkraft, könnte man sich fragen, warum der Hypnotiseur nicht jederzeit jeden Menschen „steuern“ kann. Die Antwort ist schlicht: Hypnose wirkt nur, wenn ein Mensch innerlich bereit ist – und wenn die Situation es trägt.
Und in der therapeutischen Praxis?
In einer Praxis gibt es keine Bühne. Kein Publikum. Keine Tests. Keine Show.
Hier entsteht Hypnose in Ruhe, im eigenen Tempo, im Vertrauen. Nicht durch Druck, nicht durch Vorführung, sondern durch Zusammenarbeit, in einer Atmosphäre, die nicht drängt, sondern einlädt.
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